Westfriedhof

… der Magdeburger Park-Friedhof

Unter den historischen Friedhöfen Magdeburgs ist der Westfriedhof als einziger bereits in seiner Entwurfskonzeption gartenkünstlerisch geprägt worden und erscheint deshalb noch heute als eine besonders reizvolle Gesamtkomposition.

Dabei war die Einrichtung des neuen Begräbnisplatzes bei Diesdorf zuerst nach praktischen Zielen durch die städtische Bauverwaltung vorbereitet worden. Ein Vorentwurf des Stadtbaurats Peters von 1893 sah zwar auch einen Schmuck der Anlage mit Baumpflanzungen, Blumen und Brunnen vor. Doch sollte nach dem Verständnis des Architekten eine klare Gliederung des Geländes erfolgen, welche eine maximale Ausnutzung für Grabstätten sicherstellen würde. Der daraufhin aufgestellte „Gegen-Entwurf“ des Gartendirektors Schoch orientierte sich mehr an amerikanischen Parkfriedhöfen und besonders am Vorbild des Ohlsdorfer Friedhofes. Mit Hilfe einer gartenkünstlerischen Gesamtkonzeption sollte die Gleichförmigkeit der Grabfelder gemildert, aber auch die Vielgestaltigkeit der Grabmale zu einem harmonischen Ganzen geführt werden. Damit würde nach Schochs Vorstellung der Westfriedhof kein düsterer Trauerort sein, sondern auch ohne den Anlass eines Todesfalls von den Magdeburgern aufgesucht werden.

Diese maßgebliche Einflussnahme des Gartengestalters auf die Anlage eines Begräbnisplatzes war keineswegs üblich und stieß auch in Magdeburg auf einige Skepsis. In mehreren Entwurfsetappen erarbeiteten die städtische Bau- und die Gartenverwaltung gemeinsam das endgültige Projekt. Dieses war deutlich von dem Bemühen um einen Kompromiss zwischen den teilweise gegensätzlichen Auffassungen geprägt und unterschied sich deshalb von den damals vielbeachteten landschaftlichen Friedhofsanlagen. Gerade aus dieser Planungsgeschichte und den daraus resultierenden Gestaltungen erwächst der besondere gartenhistorische Wert des Magdeburger Westfriedhofs.

Im Oktober 1898 erfolgte die Einweihung der ersten realisierten Teile des neuen Begräbnisplatzes. Den Auftakt an der Großen Diesdorfer Straße bildet ein prächtiger Portalbau, dessen seitliche Pavillons als Pförtnerhaus und (ganz modern) als Wartehalle für die Fahrgäste der Straßenbahn bestimmt waren. Neben Verwaltungs- bzw. Wirtschaftsgebäuden entstand die Kapelle am Schnittpunkt der zwei Hauptachsen. Als markante Orientierungspunkte wirken die unterschiedlich gestalteten Brunnen in den einzelnen Quartieren. Große Bedeutung hatte der Gartendirektor auch der Anlage und Ausgestaltung von Schmuckanlagen zugemessen, welche mit ihren Blumenpflanzungen Anregungen für die individuelle Dekoration der Grabstätten geben und damit die Ausstattungsqualität des Friedhofs insgesamt fördern sollten. Die entfernte Lage von den Industriegebieten der Jahrhundertwende erlaubte außerdem eine für Magdeburger Verhältnisse großzügige Verwendung rauchgasempfindlicher Nadelholzarten.

In späteren Perioden erfuhr der Westfriedhof Veränderungen und Erweiterungen, welche sich teilweise von der ursprünglichen Gestaltungsabsicht abwandten und heute dem Ensemble zusätzliche, jeweils zeittypische Akzente beisteuern. In jüngerer Zeit konnten wichtige Bestandteile der historischen Konzeption erneuert oder rekonstruiert werden. Auch in Zukunft wird es besonderer Aufmerksamkeit und Anstrengungen bedürfen, nicht nur die Vielzahl qualitätvoller Grabdenkmale, sondern auch die gartenkünstlerische Ausgestaltung als Gesamtheit zu bewahren.

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