Südfriedhof

 … Begräbnisort in gründerzeitlicher Pracht

Im Zusammenhang mit der ersten gründerzeitlichen Stadterweiterung Magdeburgs wurde als Gegenstück zum Nordfriedhof ein zweiter Begräbnisplatz im Süden der Stadt geplant. Den Entwurf dazu erarbeitete der Stadtbaumeister Marcks (1872). Danach war eine einfache, der Zweckmäßigkeit folgende Aufteilung in Grabfelder vorgesehen. Da der neue Friedhof außerhalb der Rayongrenzen der Festungsstadt lag, konnten dort auch größere Denkmale der Erbbegräbnisse errichtet werden, welche auf dem Nordfriedhof aus militärischen Gründen versagt worden waren. Das Kernstück des Entwurfs von Marcks bildete aber der Platz zwischen dem Hauptzugang an der Leipziger Straße und der Kapelle. Nach dem Vorbild eines italienischen Camposanto sollte dieser Raum von Arkaden gefasst und mit einer prächtigen Schmuckanlage ausgestattet werden. Allerdings verzichtete man auf die Realisierung dieses architektonischen Rahmens, so dass der Zugangsbereich des Südfriedhofs letztlich gegenüber dem ursprünglichen Vorhaben deutlich schlichter ausfiel.

Immerhin kamen an der Straße ein repräsentativer Portalbau in klassizistischen Formen und die eindrucksvolle Kapelle nach Planungen des Stadtbaurates Sturmhöfel zur Ausführung (Einweihung der Kapelle im Juni 1876). Eine gartenkünstlerische Gestaltung war jedoch nicht vorgesehen, der Garteninspektor Niemeyer wurde hauptsächlich bezüglich der Herrichtung der Grabfelder sowie der Anlage der Wege herangezogen. Lediglich einzelne Hauptwege fasste man mit Alleen. Ein Bereich hinter der Kapelle, welcher anfangs als Anzuchtquartier bestimmt war, wurde später gärtnerisch gestaltet und nahm die Gräber wichtiger Protagonisten der Stadtführung auf, so jene der Oberbürgermeister Hasselbach und Bötticher. Wegen der damals hohen Sterblichkeit in Magdeburg reichte schon 1873 die zuerst erschlossene Fläche nicht mehr aus, in den folgenden Jahren wurden mehrfach Erweiterungen des Südfriedhofes notwendig. Eine in den 1890er Jahren erwogene Straßenquerung zur besseren Erschließung der um den Friedhof entstehenden Bauquartiere kam nicht zur Umsetzung, so dass der Südfriedhof von einer Zerschneidung verschont blieb.

Unter den historischen Grabstätten finden sich etliche, zum Teil monumentale Denkmäler vor allem der in Buckau ansässigen Fabrikantenfamilien. Damit ist der Südfriedhof noch heute ein „begehbares Stammbuch“ Magdeburger Industriegeschichte. Für den Rasenplatz vor der Kapelle hatte schon 1894 der Gartendirektor Schoch eine ornamentale Aufschmückung mit verschiedenen Blattpflanzen und „Monatsrosen“ vorgeschlagen. Obwohl der prächtige Portalbau verlorenging, konnte in jüngerer Zeit dieser Eingangsbereich mit einer großzügigen Schmuckpflanzung ausgestattet werden, welche auch als ideelles Anknüpfen an das einstige Camposanto-Projekt aufgefasst werden kann.

 zurück zur Übersicht