Strubepark

… Garten mit noch unentdeckter Geschichte in Buckau?

In der sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts über einen längeren Zeitraum hinziehenden Planungsphase für die Erschließung des Gebietes zwischen Buckau und Sudenburg wurde u.a. festgestellt, dass der Park des Fabrikbesitzers Langensiepen ein unüberwindliches Hindernis darstelle. Anscheinend war der Eigentümer nicht zum Geländeverkauf zu bewegen und so konnte die wichtige Verbindung zwischen dem Buckauer Bahnhof und der Halberstädter Straße in Sudenburg damals nicht sofort und vollständig realisiert werden. Ein Teil des ehemaligen Parkgeländes von Langensiepen bildet den heutigen Strubepark.

Richard Langensiepen (1847-1920) war aus Bielefeld nach Magdeburg gekommen und hatte ab 1873 in Buckau eine Maschinenbaufabrik eingerichtet. Hier war er nicht nur wirtschaftlich erfolgreich, sondern konnte durch Heirat einer der Töchter des Unternehmers Christian Friedrich Budenberg auch gesellschaftlich Anschluss an die einflussreichsten Kreise der Stadt gewinnen. Wie andere Fabrikanten, Großgrundbesitzer und Kaufleute unterstützte auch er die große Jubiläums-Gartenbau-Ausstellung zu Magdeburg (1895) – ein Hinweis auf eine besondere Anteilnahme des Unternehmers an Pflanzenkultur und Gartenkunst. Ähnlich wie bei dem benachbarten Garten von Hermann Gruson (dem ursprünglichen Standort der Grusonschen Pflanzensammlung) schloss sich der Park von Richard Langensiepen unmittelbar den Fabrikgebäuden an. Unter den früheren Privatgärten Buckaus (darunter jener der Magdeburger „Villa Hügel“, welche Langensiepens Schwager, der Fabrikant Heinrich Otto Arnold bewohnte) gehörte seine Anlage zu den umfangreichsten. Im Jahr 1904 verlagerte Richard Langensiepen sein Unternehmen nach Russland, wo er etliche Filialstandorte eröffnete. Als Sommersitz ließ er sich am Gardasee die spektakuläre Villa Alba sowie deren besonderes Wahrzeichen am Seeufer, die Torre Ruhland als turmartiges Belvedere (heute Torre San Marco), erbauen.

In späteren Jahren entstanden die Unterführung der Gleisanlagen beim Bahnhof Buckau und die Straßenflucht der heutigen Warschauer bzw. Raiffeisenstraße, wofür ein Teil der Gartenanlage weichen musste. Im erhaltenen Abschnitt dürften einzelne Altbäume auf die frühere Parkgestaltung zurückgehen, während das begradigte Wegesystem und Spielgeräte jüngere Veränderungen dokumentieren. Die Umstände der Überführung des Gartens in kommunale Trägerschaft sind in verfügbaren Publikationen nur vage angedeutet, angeblich wurde er von dem Industriellen Gruson der Stadt geschenkt (von Otto Gruson jun. als Nachbesitzer der Langensiepenschen Fabrik?). Die heutige Bezeichnung der Anlage bezieht sich möglicherweise auf Conrad Louis Strube (1838-1899), welcher östlich der Buckauer Bahnstrecke ebenfalls eine Maschinenbaufabrik besaß und aus dessen Vermächtnis das „Strube-Stift“ als evangelisches Vereinshaus an der Basedowstraße finanziert worden war. Somit wäre der Name in erster Linie als Würdigung des sozialen Engagements dieses Unternehmers gedacht, allerdings ohne direkten Bezug zur Gartenanlage. Der Strubepark scheint zu jenen „Magdeburger Gartenanlagen mit Geschichte“ zu gehören, die bisher nur stiefmütterlich betrachtet wurden. Doch hat er größere Aufmerksamkeit verdient, schließlich repräsentiert er einen (wenn auch kleinen) „Splitter“ der einst glanzvollen Periode privater Gartenkunst im Industriegebiet Buckau, deren letzte Reste in unserer Zeit durch Verfall und Überbauung verlöschen.

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