Stadtpark Rotehorn

… ausgedehnte Parklandschaft auf der Elbinsel

Ein Spaziergang durch den Stadtpark Rotehorn wird von vielen Besuchern als „Naturerlebnis pur“ empfunden. Auch hier gar nicht so selten zu beobachtende „Bewohner“ (bzw. „Gäste“) wie Reh, Wildschwein, Dachs und Biber scheinen diesen Eindruck zu bestätigen. Und doch handelt es sich um eine künstliche Parklandschaft. Schon die Inselfläche zwischen zwei Elbarmen ist das Ergebnis von Flußregulierungen, also eigentlich „menschengemacht“. Ursprünglich wurde sie intensiv zur Grasgewinnung genutzt, weshalb Gehölzbestände dezimiert und störende Senken verfüllt worden sind. An einzelnen Stellen baute man Kiessand oder Lehm ab, auch wurden auf der Insel mehrere Werke des Magdeburger Festungsgürtels errichtet und ein Teil des Wiesengeländes diente als militärischer Übungsplatz.

Die gartenkünstlerische Gestaltung nahm an der Westseite der Insel (dem eigentlichen Rotehorn-Werder) ihren Anfang, wo bereits seit dem 18. Jahrhundert einige Pachtgärten bestanden und die Magdeburger Schützengilde ansässig war. Erste Planungen des Garteninspektors Niemeyer wurden dort ab 1874 ausgeführt. In mehreren Etappen entstand entlang der Strom-Elbe eine Folge von kleinteilig komponierten Gartenszenen, welche vor allem für ihren Reichtum an Blütengehölzen gerühmt wurden. Als dann endlich die Entscheidung getroffen war, die gesamte Elbinsel südlich der sie querenden Bahntrasse als Park zu widmen, leitete Gartendirektor Schoch ab 1891 eine umfangreiche Erweiterung ein. Das wichtigste Element dieses Vorhabens war die Reaktivierung der Tauben Elbe (eines die Inselfläche durchschneidenden Altarms der Elbe), welche bereits durch Dämme unterbrochen und in Teilen verlandet war. Dieser Flusslauf sollte regelmäßig auftretendes Hochwasser der Elbe aus dem Gelände der Insel zügig ableiten und damit überhaupt erst eine gartenkünstlerische Gestaltung ermöglichen. Abgesehen von dieser Funktion bietet er mit den unterschiedlich gestalteten Brücken dem Spaziergänger noch heute viele malerische Bilder. Im nördlichen Teil wurde die Taube Elbe während der Amtszeit von Schochs Nachfolger Linke nochmals verändert, als bis 1908 ein über 4 Hektar großer und hochwassersicher aufgehöhter Festplatz geschaffen wurde. In Verbindung damit (und unterstützt durch die Spende des wichtigsten Magdeburger „Garten-Mäzens“) entstand der Adolf-Mittag-See mit der Boots- und der Marieninsel. Als letztes Element des Stadtparks wurde um 1920 die gartenkünstlerische Ausgestaltung des Fort XII fertiggestellt.

Mit etlichen Restaurationsbetrieben, dem Ruderbootverleih und einem für unterschiedliche Nutzergruppen differenzierten Wegenetz (Fußgänger, Radfahrer, Reiter und Automobilverkehr) wurde der Stadtpark schnell zu einem der wichtigsten Erholungsorte Magdeburgs. Um die Jahrhundertwende siedelten sich an den Ufern der Elbinsel etliche Segel-, Ruder- bzw. Kanusportvereine an. Zwar blieben nur einige der stilistisch sehr unterschiedlich gestalteten Clubhäuser erhalten, doch fügen noch heute die historischen Vereinsgebäude am Ufer der Alten Elbe dem Stadtpark Rotehorn eine ganz individuelle Komponente bei. Eine andere funktionale Erweiterung ging mit der Umnutzung des Festplatzes zum Ausstellungsgelände ab 1922 einher. Anlässlich der Deutschen Theaterausstellung 1927 entstand dort schließlich unter Beteiligung der Architekten Wilhelm Deffke, Albinmüller und Johannes Göderitz ein beispielhaftes Ensemble der Zeit des Neuen Bauens. Mit Ausnahme der Stadthalle, des Pferdetores und des Ausstellungsturmes ging jenes allerdings im II. Weltkrieg ebenso verloren, wie die meisten übrigen Gebäude des Stadtparks. Während der Kulturpark-Periode erfuhr der Festplatz eine erneute Überformung (z.B. durch Einordnung von Blumengärten), seine charakteristische Alleen-Rahmung und die Pergola mit Freitreppe zum Adolf-Mittag-See blieben aber erhalten. Neben mehreren großen Freilichtbühnen im Park entstand zu dieser Zeit auch der Komplex des Kultur- und Freizeitzentrums bei der Stadthalle mit der Hyparschale. Nach 1990 wurden Teile der dortigen Freiraumausstattungen wieder demontiert (Brunnen) und auch auf dem Festplatz mussten Sommerblumenpflanzungen und der Rosengarten aufgegeben werden.

So sind die jüngeren Entwicklungen des Stadtparks Rotehorn zwiespältig zu beurteilen. Einerseits konnten die den Landschaftspark sehr störenden Freilichtbühnen zurückgebaut, die meisten baulichen Ausstattungselemente restauriert und de Taube Elbe entschlammt werden. Andererseits fordert die Haushaltssituation der Stadt Beschränkungen hinsichtlich regelmäßiger Instandhaltungsmaßnahmen und gartendenkmalpflegerischer Erneuerungen. So ist das Wegenetz inzwischen deutlich ausgedünnt, wegen der häufigen Überflutungsschäden wurden einige Strecken nun asphaltiert. Ersatzpflanzungen bleiben meist auf Bäume beschränkt, so das einige Partien bereits fast gänzlich der raumbildenden Strauchpflanzungen entbehren. Auch sind Nutzungen der gewerblichen Objekte sowie Veranstaltungen im Park nicht immer konfliktfrei mit gartendenkmalpflegerischen und/oder naturschutzfachlichen Zielen in Einklang zu bringen. Vor allem aber wurden die spezifischen Wertigkeiten der Anlage, die nach Ausdehnung und Gestaltungsintensität zu den bedeutendsten Stadtparks der Jahrhundertwende in Deutschland gehören dürfte und deren Artenvielfalt an Gehölzen noch im gegenwärtigen Zustand der des Herrenkrugs nur wenig nachsteht, bisher kaum benannt bzw. durch eine sachkundige Öffentlichkeitsarbeit vermittelt.

Zur Präsentation des Stadtparks Rotehorn im Netzwerk „Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt“ gelangen Sie hier.

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