Schrote-Anlage

… grünes Band in der Goethestraße

Die Schrote-Anlage ist unter den historischen Freiraumgestaltungen Magdeburgs eine besonders bemerkenswerte Synthese von Städtebau, ingenieurtechnischem Wasserbau und Gartenkunst. Als man im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts begann die Bebauung des „Stadtfeldes“ westlich der Altstadt vorzubereiten, bildete die Regulierung der Schrote ein zentrales Element der Bebauungsplanung. Um durch diesen Gewässerlauf verursachte Überflutungen zukünftig einzudämmen, war ein begradigter Kanal vorgesehen. Der neue Schrote-Lauf sollte in einen großzügig bemessenen Straßenzug eingeordnet werden, welcher bereits um 1890 als „Schroteanlagen-Straße“ in den Akten nachweisbar ist. Der über 900 m lange Anlagenstreifen und die Festsetzung von Vorgärten entlang der angrenzenden Bebauung ließen hier schließlich das „grüne Rückgrat“ des Quartiers Stadtfeld-Ost entstehen.

Um das technische Bauwerk des Schrote-Kanals harmonisch in die Grünanlage einzufügen, schlug Gartendirektor Schoch in seiner Entwurfskonzeption (1899) einen geschwungenen Gewässerlauf vor. Da dieser nur zeitweise der Ableitung von Hochwässern dienen sollte, hielt man eine Ausbildung als Rasenmulde für ausreichend (es wurde lediglich eine Befestigung der Grabensohle ausgeführt). Entlang dieses „Bachlaufs“ wurden ein Promenadenweg sowie kleine Sitz- bzw. Spielplätze eingeordnet. Die Anpflanzungen von Bäumen hatte Schoch in Artenwahl und Platzierung so vorgesehen, das sich dem Spaziergänger immer wieder neue Bilder und malerische Sichten auf die repräsentativen Fassaden bieten würden. Einen sehr großen Anteil sollten Sträucher einnehmen (etwa zwei Drittel der angepflanzten Gehölze), um die angrenzenden Fahrbahnen zu kaschieren und so die Grenzen der schmalen Anlage zu überspielen. Bis die Grundstücke entlang der Goethestraße bebaut wurden und die Anliegerbeiträge zum Straßenbau verfügbar waren, vergingen noch einige Jahre. So wurde die Anlage unter Leitung von Schochs Nachfolger, Gartendirektor Linke, in den Jahren 1905 bis 1907 realisiert. Als weitere Elemente dieses Grünzugs kamen entlang der beiden Fahrbahnen je eine Baumreihe (zuerst Ulmen, dann durch Robinien ersetzt) sowie eine Lindenpflanzung auf dem Platz an der Pauluskirche zur Ausführung.

In der Gegenwart stellt sich die Situation der Schrote-Anlage recht zwiespältig dar. Zwar sind inzwischen viele der historischen Gebäude als Rahmen der Anlage in ihrer ursprünglichen Pracht instandgesetzt worden. Doch hat die Freiraumgestaltung durch Ausmauerung des Gewässerbettes, Begradigungen der Geländeprofilierung und den weitgehenden Verlust von Strauchpflanzungen einige Einbußen erfahren. Besondere Schwierigkeiten für die Sicherung und Instandhaltung der Schrote-Anlage erwachsen aber aus ihrer starken Beanspruchung. Als einzige größere Grünanlage in diesem Revier sowie in Wechselwirkung mit der Beeinträchtigung der Glacis-Anlagen durch den Straßenbau und den Verlust früherer Durchgrünungen im Stadtteil in Folge baulicher Nachverdichtung, muß sie vielen Nutzergruppen und Anforderungen gerecht werden. Es wird hier auch künftig darauf ankommen, allen Wünschen an die Funktionalität dieses Freiraums gerecht zu werden, dabei aber auch die historisch begründete Individualität und somit den besonderen Wert dieses Gartendenkmals zu bewahren.

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