Schneidersgarten

ehemaliger Privatpark im Stadtteil Sudenburg

Schneidersgarten zählt zu jenen Grünanlagen Magdeburgs, welche aus früheren Privatparks hervorgegangen sind. Im 19. Jahrhundert waren im Bereich der bis 1867 selbstständigen Stadt Sudenburg etliche größere Gärten von Landwirten und Kaufleuten vorhanden. Mit der allmählichen Bebauung der angrenzenden Feldflur sowie der baulichen Nachverdichtung des Stadtteils gingen gegen Ende des Jahrhunderts vermehrt Forderungen der Einwohner nach der Schaffung öffentlicher Grünflächen einher. Doch während in anderen Bereichen der Stadt Magdeburg Übernahmen von Ländereien aus Staatsbesitz im Zuge des Umbaues bzw. der späteren Aufgabe der Festungswerke günstige Voraussetzungen für solche Projekte boten, war in Sudenburg ein Grunderwerb aus Privatbesitz durch die Kommune unumgänglich. Da hierfür die Mittel fehlten, blieben entsprechende Planungen unausgeführt oder konnten nur in Form kleinräumiger Begrünungen realisiert werden.

Als sich eine Umwidmung des Schneider’schen Parks zu Bauland abzeichnete, wandte sich der Sudenburger Bürgerverein im Jahr 1905 an den Magdeburger Magistrat und bat um die Erhaltung dieser Anlage in öffentlicher Trägerschaft. Die Familie Schneider war seit längerem als Landwirte und Zichorienfabrikanten in Sudenburg ansässig, die Gartenanlage dürfte nach der Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden sein. In ersten Verhandlungen hatte Johannes Schneider als Vertreter der Familie einen Ankauf des Parks gefordert, dessen Randbereiche für die Errichtung von Wohnhäusern abgetrennt werden sollten. Die Stadt sah jedoch nur die Möglichkeit einer unentgeltlichen Übernahme des Areals. Erst nach mehreren Jahren kam eine Einigung zu Stande, nach welcher man mit einer viergeschossigen Bebauung eine maximale Ausnutzung der angrenzenden Bauparzellen zubilligte, Schneider zu einem günstigen Preis ein weiteres Grundstück zur Abrundung seiner benachbarten Ländereien (welche ebenfalls zur Bebauung vorgesehen waren) überließ und die Abgeltung von Straßenbaukosten bis zur Errichtung der Gebäude aufschob. So war wenigstens ein Teil des Parks als öffentliche Grünanlage gesichert. Für den zusätzlichen Ankauf des benachbarten Brunner’schen Gartens, wie ihn der Bürgerverein zur Vergrößerung dieser Anlage erbeten hatte, konnte man jedoch nicht die erforderlichen Geldmittel aufbringen. Immerhin wurde auf die Bebauung der Westseite des Schneider’schen Grundstücks verzichtet, so dass der Park in größerem Umfang als anfangs vorgesehen erhalten blieb.

Gegen Ende des Jahres 1913 begann die Gartenverwaltung das Gelände für seine neue Bestimmung herzurichten, wobei man auf die Erhaltung des alten Baumbestandes besonderen Wert legte. Um 1928 kam ein Löschwasserbecken hinzu, welches später wieder entfernt wurde. Gestalterische Veränderungen erfuhr Schneidersgarten nach dem II. Weltkrieg sowie in jüngerer Zeit. Als Besonderheit blieben im Zentrum der Anlage einige Grabstätten der Familie Schneider erhalten. Ursprünglich war vorgesehen, diese in einen Kirchenneubau zu überführen, zu welchem Wilhelm Schneider bereits um 1904 der örtlichen Gemeinde ein Grundstück an der Leipziger Straße gestiftet hatte. Zwar wurde 1928 ein Wettbewerb zur Erlangung von Entwürfen zu dieser Kirche durchgeführt, doch konnte das Projekt letztlich nicht realisiert werden. So dokumentieren die Grabmale neben einigen stattlichen Altbäumen noch heute die historischen Wurzeln der Sudenburger Gartenanlage.

 

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