Rosengarten an der Magdalenenkapelle

… der Balkon der Magdeburger Altstadt

Die Magdalenenkapelle, die Petri- und die Wallonerkirche bilden markante Zeugnisse älterer Magdeburger Geschichte in einem Abschnitt der altstädtischen Elbfront, welchen sonst der städtebauliche Wiederaufbau nach dem II. Weltkrieg prägt. Hier liegt über hoher Mauer als „Balkon“ zum Fluss hin orientiert eine kleine Gartenanlage, welche interessante „geschichtliche Wurzeln“ hat, aber auch in jüngerer Zeit eine bemerkenswerte Entwicklung nahm.

Seit dem Mittelalter befand sich an dieser Stelle das Kloster Beatae Mariae Magdalenae. Bis zur Zerstörung im II. Weltkrieg rahmten zwei Präbendatengebäude einen kleinen Hofraum, dem sich der Klostergarten anschloss. Dieser ebenfalls recht kleine Garten (der seine im Zustand um 1860 überlieferte Gestalt vielleicht erst im Zuge einer Erneuerung des Bauensembles im 19. Jahrhundert erhalten hatte) war regelmäßig gegliedert und wies einige Lauben sowie eine vorgelagerte Terrasse an der Ostseite auf. Dort, im entferntesten Winkel des Grundstücks steht die noch erhaltene Magdalenenkapelle.

In den 1970er Jahren entstand auf dem Gelände des inzwischen untergegangenen Klostergartens der Rosengarten. In seiner Lage und in seinem Grundcharakter als separierte Besonderheit im innerstädtischen Freiraumsystem nahm dieser ideell Bezug auf den historischen Vorgänger. Eine neue Bedeutung gewann dieser Garten aber auch als Auftakt der „Promenade der Völkerfreundschaft“ (heute Elbuferpromenade), zu der von hier aus eine geschwungene Brückenrampe über die Straße Schleinufer führt. Während die meisten qualitätvolleren Freiraumgestaltungen der DDR-Zeit inzwischen im Zuge von Erneuerungen überprägt, vollständig umgestaltet oder sogar verloren sind, kann der Altstädter Rosengarten möglicherweise als letztes authentisches Relikt dieser durchaus erinnernswerten Periode der Magdeburger Stadtgrüngeschichte betrachtet werden.

Doch ist der Rosengarten allmählich in einen „Dornröschen-Schlaf“ versunken – zuletzt nur noch von wenigen Rosen geschmückt und eher einer „Katzenminzen-Monokultur“ ähnelnd. Er erfuhr erst wieder größere Beachtung, als um 2005 ein Investor die Neubebauung des Klostergrundstücks beabsichtigte und der Stadtrat die Aufstellung eines entsprechenden Bebauungsplans beschloss. In der architektonischen Kubatur und in der vorgesehenen Nutzung für das Beginenwohnprojekt nahm das Vorhaben zwar auf das einstige Kloster Bezug. Doch wäre das künftige Gartenareal (an Stelle des Rosengartens) der öffentlichen Zugänglichkeit entzogen und die wichtige Fußwegverbindung am Hochufer (Stephansbrücke) zwischen Johanniskirche und Magdalenenkapelle, Petri- sowie Wallonerkirche mindestens eingeschränkt worden. Dagegen formierte sich der Protest der Anwohner, welcher 2009 in eine Unterschriftensammlung mündete. Nachdem der Investor wenig später das Vorhaben aufgab (wohl aus wirtschaftlichen Gründen), klang das Interesse am Rosengarten erstaunlicherweise nicht ab. Die Arbeitsgruppe Gemeinwesenarbeit (GWA) Altstadt hat sich dieses Gartens angenommen und sorgt mit regelmäßigen Arbeitseinsätzen für dessen Pflege. Inzwischen konnten weitere Unterstützungen gewonnen werden, welche jetzt auch ein Wieder-Aufstocken des Rosenbestandes erlauben.

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