Park am Fürstenwall

… Gartenanlage auf der ehemaligen Bastion Cleve am Dom

Die Bastion Cleve ging aus dem barocken Ausbau der Stadtbefestigung am Elbufer hervor. Schon in einer ersten Entwurfsfassung zur südwestlichen Stadterweiterung (1869) waren später die Erhaltung der Bastion als baumbestandener Aussichtsplatz und eine landschaftliche Gartenanlage im Festungsgraben vorgesehen. Nach mehreren Planungsänderungen, welche vor allem auf eine größtmögliche Ausdehnung verwertbaren Baulands gerichtet waren, beschränkte man das als öffentliche Anlage bestimmte Areal weitgehend auf die Bastion. Im Januar 1872 erhielt der Garteninspektor Niemeyer einen entsprechenden Planungsauftrag, noch im gleichen Jahr wurde mit den Arbeiten begonnen und 1873 war der größte Teil der heutigen Anlage fertig. An der Elbseite der Bastion hatte man einen von Linden beschatteten Aussichtsplatz geschaffen, welcher den Endpunkt der älteren Fürstenwall-Promenade bildete. Ein extra aufgeschütteter Plateau-Hügel war für die Aufstellung des seit 1870 geplanten Kriegerdenkmals vorgesehen. Den diesbezüglichen Wettbewerb gewann 1873 der Architekt Hermann Eggert und im September 1877 wurde das nach seinem Entwurf ausgeführte Denkmal enthüllt. Spätere Ergänzungen stellen das Friesen-Denkmal (1893) und das ehemalige Gärtnerhaus (1912/13) dar.

Im Kontext der südwestlichen Stadterweiterung war die „Gartenanlage auf der Bastion Cleve“ nicht nur die wichtigste Freiraumgestaltung des neuen Stadtteils, sondern auch eines der ersten realisierten Elemente dieses Erweiterungsvorhabens. Nach und nach erhielt sie ihre städtebauliche Fassung: ab den 1870er Jahren entstand die repräsentative Bebauung der Augustastraße (Hegelstraße), es folgten die Neuumbauung des Dom-Kreuzgangs mit dem Konsistorialgebäude (1889-92) und das Generalkommando-Dienstgebäude (1889-93, heute Palais am Fürstenwall). Die Gartenanlage zählt nicht nur zu den wichtigsten Schöpfungen Niemeyers in Magdeburg, sondern führt eine ganze Reihe von gartenkünstlerisch umgestalteten Festungswerken an. Bis in das 20. Jahrhundert hinein entstanden öffentliche Gärten in unterschiedlicher Formensprache auf ehemaligen Wehranlagen, welche den ursprünglichen Verlauf bzw. die Umnutzung der Befestigungen dokumentieren und so dem Grünsystem der ehemaligen Festungsstadt Magdeburg einen ganz individuellen Charakter geben.

Doch ist diese Bedeutung erst in jüngster Zeit erkannt worden. Die oberflächliche Beurteilung einer historischen Planzeichnung, welche vom Gartentechniker Wieck im Jahr 1900 nach einer Bestandsaufnahme der existierenden Anlage angefertigt worden war, hatte in den letzten Jahrzehnten zu einer völligen Fehldeutung verleitet. Man sah in diesem Plan einen Entwurf und rechnete so das Projekt unter Vernachlässigung aller übrigen Quellenmaterialien kurzerhand der Urheberschaft des um 1900 amtierenden Gartendirektors Schoch zu. Außerdem hat die jüngere Bezeichnung „Park am Fürstenwall“ nicht nur die Eigenständigkeit der „Gartenanlage auf der Bastion Cleve“ geschmälert, sondern auch ihren Ursprung in dem barocken Festungswerk in Vergessenheit geraten lassen. Diese Umstände haben dazu beigetragen, dass bei jüngsten Entwicklungen der Erhalt dieses Gartendenkmals anderen Interessen unterlegen ist. In den Jahren 2003 bis 2008 wurde das auf das 16. Jahrhundert zurückgehende Bollwerk Gebhard im nördlichen Bereich der Anlage durch umfangreiche Ausgrabungen freigelegt. Für die bautechnische Einbindung dieses heute unzutreffenderweise unter dem Namen des Nachfolgewerkes Bastion Cleve präsentierten Objektes mussten u.a. ein Teil des Plateaus des Kriegerdenkmals (als zentraler Bestandteil der denkmalgeschützten Gartenanlage) abgetragen und die Anbindung des Aussichtsplatzes an die Fürstenwall-Promenade stark eingeschränkt werden.

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