Nordpark

… ehemaliger Friedhof, alljährlich im Scilla-Kleid

Der Nordfriedhof, aus dem der heutige Park hervorging, wurde ab 1808 als erster außerhalb der Stadt Magdeburg gelegener Begräbnisplatz geplant. Nach seinem Amtsantritt (1817) nahm der Oberbürgermeister Francke wie beim Herrenkrug auch an diesem Projekt Anteil und bat wie dort den preußischen Gartendirektor Lenné um Rat (welcher 1824 vor allem eine Ausschmückung mit Blütensträuchern empfahl). Grundsätzlich geprägt war die bereits um 1816 begonnene Anlage aber wohl von dem klassischen Vorbild des Dessauer Neuen Begräbnisplatzes. In typischer Weise gliedert den Nordpark noch heute ein Alleenkreuz, in dessen Schnittpunkt hier die Grabstätte des Oberbürgermeisters Francke eingeordnet wurde. Die geltenden Rayonbestimmungen der Festung Magdeburg ließen nur flach liegende Grabsteine zu, so dass auf opulente Denkmale verzichtet werden musste.

Im Zuge der Vorbereitungen einer Stadterweiterung nach Norden wurde der Friedhof bereits um 1888 perspektivisch zum Park des neuen Stadtteils bestimmt. Einer zeitnahen und vollständigen Umgestaltung standen allerdings die damaligen Liegezeiten der Grabstätten entgegen. So konzentrierten sich erste gestalterische Maßnahmen auf Aufschmückungen im Eingangsbereich und einige Spazierwege in schon verfügbaren Quartieren. Wahrscheinlich mit der Absicht, die vier Quadranten des Nordfriedhofs nach und nach zu Gartenanlagen umzugestalten, war um 1900 eine Planung erarbeitet worden, welche vier unterschiedliche Gartenräume in einer an barocke Bosketts erinnernden Ausgestaltung vorsah. Dieser Entwurf wurde (wie auch weitere Planungen) jedoch nicht umgesetzt. Lediglich an drei Endpunkten der Alleen konnten während des I. Weltkriegs mit unterschiedlichen Kleinarchitekturen akzentuierte Sitzplätze eingerichtet werden, deren Ausgestaltung der junge Architekt Bruno Taut entworfen hatte. Ab 1932 wurde mit Vereinfachungen des Wegenetzes und Lichtungen des Baumbestandes der Charakter des Nordparks geschaffen, wie er die Anlage auch im heutigen Zustand prägt.

Der Magdeburger Norden war besonders stark von den Bombardierungen im Januar 1945 betroffen, auch der Nordpark nahm dabei Schaden und bis auf ein Tor gingen alle baulichen Elemente verloren. Später wurden Teilbereiche für den Bau einer Schule, die Einrichtung eines Betriebshofes sowie eines Ehrenfriedhofs für gefallene Soldaten und verstorbene Angehörige der in Magdeburg stationierten sowjetischen Streitkräfte in Anspruch genommen. Den verbliebenen Teil entwickelte man ab 1960 im Zuge der Neubebauung der Alten Neustadt zum Wohngebietspark, griff aber bei Erneuerungen besonders prägnante historische Elemente wie die Hauptalleen wieder auf.

Heute sind nur noch wenige Grabstätten im Nordpark vorhanden. Seit 1989 erinnert ein von Heinrich Apel geschaffenes Denkmal an Lazare Hippolyte Marguérite Carnot (1753-1823, u.a. kurzzeitiger Kriegs- bzw. Innenminister der französischen Regierung unter Napoleon Bonaparte), welcher seine letzten Lebensjahre in Magdeburg verbrachte. Eine besondere Bedeutung als Freizeit- und Erholungsraum erwächst dem Nordpark nun aus seiner unmittelbaren Nachbarschaft zum Universitätscampus. Zum absoluten Highlight wird ein Besuch dieser Anlage im Frühjahr zur Blütezeit des Blausterns (Scilla).

 zurück zur Übersicht