Möllenvogteigarten

… eine Wiederentdeckung am Regierungssitz

Dem Namen nach nimmt dieser Garten Bezug auf den nahegelegenen einstigen Amtssitz des Möllenvogtes, welcher zu den Sachwaltern des Magdeburger Erzbischofs zählte. Genau genommen befindet sich der heutige „Möllenvogteigarten“ aber auf dem zum früheren Bischofspalast gehörigen Gartenland. Da dieser „Bischofsgarten“ schon im 14. Jahrhundert Erwähnung fand, wandelt der Spaziergänger hier (zumindest ideell) auf besonders ehrwürdigem „Gartengrund“ Magdeburgs. Im 17. Jahrhundert soll ein Lusthaus vorhanden gewesen sein, doch handelte es sich immer um einen Wirtschaftsgarten. Nachdem um 1701 an Stelle des Bischofssitzes das Königliche Palais errichtet wurde, bezeichnete man das Areal standesgemäß als „Schlossgarten“. Allerdings hielten sich Mitglieder des preußischen Königshauses nur ausnahmsweise in Magdeburg auf und das Palais diente sonst den Verwaltungsbehörden, daher scheint keine besondere Ausgestaltung als Ziergarten erfolgt zu sein.

Im Hinblick auf eine gartenkünstlerische Gestaltung beginnt die Geschichte dieser Anlage erst im 19. Jahrhundert, als auf einem Teil des „Schlossgartens“ das Oberpräsidialamt erbaut wurde (1842-44). Neben dem Regierungspräsidenten, welcher in unmittelbarer Nachbarschaft am Domplatz residierte, vertrat auch der Oberpräsident die preußische Regierung in der Provinz Sachsen (heute Bundesland Sachsen-Anhalt). Dem jeweiligen Amtsinhaber war der verbliebene Teil des „Schlossgartens“ in Verbindung mit seinem Dienst- und Wohnsitz zur privaten Nutzung überlassen worden. Wahrscheinlich im Zuge der Errichtung des Oberpräsidialamtes dürfte eine Miniatur-Garten-Landschaft mit geschwungenen Wegen entstanden sein, welche ihren romantischen Reiz aus der eingeschlossenen Lage zwischen den Regierungsgebäuden und dem Fürstenwall bezog.

Im Jahr 1881 gab der städtische Gartendirektor Niemeyer einige Hinweise für die Renovierung und Verbesserung des Oberpräsidialgartens. Damit strahlten die Arbeiten Niemeyers auf der nahen Bastion Cleve und auf dem Fürstenwall auf diesen Privatgarten aus, vielleicht gab auch ein damaliger Wechsel im Amt des Oberpräsidenten Anlass zu dieser Erneuerung. Eine nochmalige Umgestaltung, deren Ergebnisse durch Skizzen aus den 1930er Jahren dokumentiert sind, fand vielleicht schon im Zuge von Umbauarbeiten am Oberpräsidialgebäude (1906-08) statt. Grundzüge dieser mehr geometrisch gehaltenen Gestaltung bestimmten das Erscheinungsbild des Gartens bis zur jüngsten Veränderung.

Obwohl diese Etappen mit den wichtigsten Perioden der Magdeburger Garten-Geschichte in Verbindung stehen, ist nur sehr wenig über das frühere Aussehen des Oberpräsidialgartens und die Urheber der (bisher feststellbaren) Umgestaltungen bekannt. Im 20. Jahrhundert fanden hier vor allem die Zeugnisse mittelalterlicher Geschichte besondere Beachtung, vermutete man doch in diesem Gebiet den einstigen Herrschaftssitz Ottos des Großen. Archäologischen Grabungen und Sanierungen der Mauern im Bereich des Gartens folgte schließlich die Neugestaltung des im Jahr 2002 eingeweihten „Möllenvogteigartens“. Zwar mussten die direkte Anbindung an des Oberpräsidialgebäude aufgegeben und in der gärtnerischen Ausgestaltung Zugeständnisse an heutige Sachzwänge berücksichtigt werden. Doch erhielt dieser Ort sehenswerte Zutaten: in den gewölbten Nischen der Mauer am Fürstenwall sowie auf einer höher gelegenen Gartenebene fanden Plastiken bzw. deren Fragmente Aufstellung, welche nach der Zerstörung Magdeburgs im II. Weltkrieg geborgen werden konnten. Über „versteckte“ Zugänge kann der Besucher nun einen interessanten Ort in unmittelbarer Benachbarung zum Dom, den Machtrepräsentanzen historischer Zeiten und den Institutionen der heutigen Landesregierung Sachsen-Anhalts (wieder-) entdecken.

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