Gruson-Gewächshäuser

… von der Liebhaber-Sammlung zu den städtischen Gewächshäusern

In Buckau (heute ein Stadtteil von Magdeburg) hatte der vielseitig interessierte Industrielle Hermann August Jacques Gruson (1821-1895) über mehrere Jahrzehnte hinweg seinen Villengarten zu einem deutschlandweit beachteten Reiseziel von Gartenfreunden und Pflanzenliebhabern entwickelt. Die benachbarten Fabrikanlagen, in denen u.a. Gruson’s legendäre Panzerplatten gefertigt wurden, schränkten zwar den Garten räumlich ein, lieferten aber auch die günstige Abwärme zur Beheizung der nach und nach errichteten Gewächshäuser. Darin sammelte der Kommerzienrat hauptsächlich Palmen, Farne, Palmfarne, Aronstabgewächse, Kroton-Sorten und Orchideen. Später wandte er sich auch den Kakteen und Sukkulenten zu. Durch Ankäufe sowie eine Sammelreise nach Mexiko (zu welcher Gruson seinen Gärtner Mathsson sandte) wuchs der Bestand dieser Pflanzengruppe so an, dass die Kakteensammlung bald als die reichhaltigste Deutschlands und sogar eine der bedeutendsten Europas anerkannt wurde. Der Garten und die Gewächshäuser in Buckau waren nicht nur dem Fachpublikum, sondern auch der allgemeinen Öffentlichkeit zugänglich. Gelegentlich soll sich der Besitzer selbst unerkannt unter die zahlreichen Besucher gemischt haben.

Mit dem Tod Gruson’s bestand die Gefahr, dass die Sammlungen auseinandergerissen würden, da Friedrich Krupp den Magdeburger Konkurrenten inzwischen übernommen hatte und eine Werkserweiterung bis in den Privatgarten hinein notwendig erschien. Die Erben von Hermann Gruson senior wollten aber dessen Vermächtnis nachkommen und offerierten die Sammlungen der Stadt Magdeburg. An die Schenkung sowie die Stiftung von 100.000 Mark für die Überführung an einen neuen Standort knüpften die Witwe und der Sohn Gruson’s folgende Bedingungen, zu welchen sich der Magistrat auch bekannte:

  1. die Stadt Magdeburg hat die Erhaltung der Sammlungen zu übernehmen,
  2. die Sammlungen sind im Sinne des verstorbenen Kommerzienrates Gruson zu verwalten,
  3. durch Einrichtung freier Eintrittstage sind die Sammlungen jedermann zugänglich zu machen,
  4. für alle Zeiten sollen die Sammlungen den Namen Gruson’s tragen.

Als neuer Standort wurde schließlich der heutige Klosterbergegarten gewählt. Unter Verwendung des Baumaterials einiger der ursprünglichen Gewächshäuser sowie ergänzt durch ein repräsentatives Palmenhaus entstand dort ein Komplex, der seit seiner Eröffnung am 12. April 1896 als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Magdeburgs gilt.

Trotz der großen Popularität mussten die städtischen Gruson-Gewächshäuser mehrfach gegen widrige Zeitumstände verteidigt werden, welche auch ihren Fortbestand grundsätzlich in Frage gestellt hatten. Als eine der seltenen, kommunal unterhaltenen Schausammlungen fand die Einrichtung jedoch glücklicherweise immer eine sichernde Unterstützung bei Bevölkerung und Stadtverwaltung. So waren die Gewächshäuser nach schweren Schäden im II. Weltkrieg wiederaufgebaut worden und auch in jüngerer Zeit fühlte man sich gegenüber grundlegenden Veränderungsideen letztlich doch den Bedingungen des Gruson’schen Vermächtnisses verpflichtet. Im Jahr 2010 konnte schließlich (gewissermaßen als nachträgliches Geschenk zum 100jährigen Jubiläum) u.a. die dringend erforderliche Modernisierung des Palmenhauses realisiert werden (mk).

 Zur Präsentation des Klosterbergegartens mit den Gruson-Gewächshäusern im Netzwerk „Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt“ gelangen Sie hier.

 zurück zur Übersicht