Klosterbergegarten

… Lenné’s Volksgarten-Projekt und die Gruson-Gewächshäuser

Fantasievolle Superlative wurden in jüngerer Zeit mit dem Klosterbergegarten verbunden: er sei im nationalen Maßstab „der erste Volksgarten“ oder „der älteste im Auftrag einer Kommune geschaffene Park“ … nun, die gartenhistorische Forschung und der inzwischen gewonnene Überblick über die Entwicklungen an anderen Orten bestätigen, so ganz (und wie so oft) stimmen diese Etiketten nicht. Dass der Magdeburger Klosterbergegarten dennoch unbestritten zu den Meilensteinen der Geschichte des öffentlichen Grüns in Deutschland zählt, ist vor allem aus den Umständen seiner Entstehung begründet.

Wesentlich gefördert wurde diese Anlage durch den Oberbürgermeister August Wilhelm Francke. Rückblickend wies jener die erste Idee, das ehemalige Klostergelände für einen öffentlichen Park zu nutzen, aber der Urheberschaft des Magdeburger Festungskommandanten Graf von Hacke zu, welcher auch den Gartenkünstler Lenné vorgeschlagen habe. 1824 kaufte die Stadt das Areal des im Zuge der napoleonischen Besatzung verwüsteten Klosters Berge sowie die zugehörigen Gärten und Wiesen auf. Noch im gleichen Jahr legte der königlich preußische Gartendirektor Peter Joseph Lenné einen Entwurf vor. Durch geschickte Geländemodellierungen und Anpflanzungen sollte die reizvolle Situation der Hanglage am Elbufer zu einem Garten werden, während das sich westlich anschließende Klinke-Tal im Sinne der Landesverschönerung als geschmückter Übergang zur Feldflur bzw. zur Ortslage Buckau gedacht war.

Vor allem aber verknüpfte Lenné seine Planung mit der damals noch jungen Idee eines Volksgartens, welcher der Erholung aller gesellschaftlichen Schichten dienen sollte (auch wenn diesen jeweils separierte Bereich zugedacht waren). So veröffentlichte der Gartenkünstler bereits zum Beginn der Arbeiten seine Entwurfserläuterungen als Druckschrift, die weite Verbreitung fand. Darin zeichnete er ein ideales Zukunftsbild der aufstrebenden Stadt Magdeburg und stilisierte das Park-Projekt zum Symbol einer neuen Zeit im preußischen Staat, in der man wieder „den Musen und Grazien vertraut“. Eine solche Rhetorik sprach nicht nur damals die Stadtväter sehr an, sondern inspiriert noch heute Wissenschaftler und Laien gleichermaßen. In bis dahin noch nicht bekannter Weise betrieb Lenné hier „public relations“ (bevor dieser Begriff überhaupt erfunden war) – auch mit der Absicht, den preußischen König bezüglich des Berliner Tiergartens zur Nachahmung zu bewegen …

Aus dem Realisierungsprozess in Magdeburg zog sich Lenné bald zurück und überließ die Arbeiten der Leitung durch den Stadtbaumeister Friedrich Wilhelm Wolff. Dieser war auch für die Errichtung des Gesellschaftshauses in Anlehnung an einen Entwurf Schinkels verantwortlich. Schon 1826 gab man dem Park den Namen Friedrich-Wilhelms-Garten, zur Erinnerung an die wohlwollende Unterstützung des Vorhabens durch den König von Preußen. Diese Bezeichnung wurde etwa ein Jahrhundert später (1921) durch den heutigen Namen Klosterbergegarten abgelöst.

Schon bald nach seiner endgültigen Fertigstellung (1835) holten Lenné’s idyllisches Projekt die Notwendigkeiten der örtlichen Siedlungsentwicklung ein. Die Einrichtung von Eisenbahnstrecken, Straßenausbau, Modernisierungen der angrenzenden Festungsanlagen und schließlich der Bau der Sternbrücke im frühen 20. Jahrhundert verlangten etliche Beschneidungen, so dass nur noch die „Kernzone“ zwischen Gesellschaftshaus und Elbe als Park erhalten blieb. Die Bedeutung des Friedrich-Wilhelms-Gartens als einer der meistbesuchten Ausflugsorte im Magdeburg der Zeit um die Jahrhundertwende wurde dadurch nicht geschmälert, wie dies u.a. die Erweiterung des Gesellschaftshauses (1896) bezeugt. Zu dieser Zeit erlangte der Park außerdem mit der Errichtung der Gruson-Gewächshäuser eine weitere Attraktion.

Der Gartendirektor Schoch hatte gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Entstehungsgeschichte des Friedrich-Wilhelms-Gartens auf der Grundlage akribischen Aktenstudiums aufgearbeitet. Seine Veröffentlichung kann nicht nur als frühes Beispiel einer gartenhistorischen Forschung gelten, sondern lieferte außerdem das Ausgangsmaterial für die häufige Berücksichtigung des Magdeburger Volksgartens in der deutschen Fachliteratur über Gartenkunst. Diese gartendenkmalpflegerische Traditionslinie wurde zum Ende der DDR-Zeit wieder aufgegriffen, als man in Ost- und Westdeutschland gleichermaßen den 200. Geburtstag Lenné’s vorbereitete. In diesem Rahmen wurde der zwischenzeitlich zum Pionierpark umgewidmete Klosterbergegarten wiederentdeckt und schrittweise unter Berücksichtigung der Planung von 1824 rekonstruiert. Als eine der jüngsten Maßnahmen stellte man 2010 den Inselteich wieder her, der um 1968 zur Minderung des Pflegeaufwandes zugeschüttet worden war.

Weiterlesen über die Gruson-Gewächshäuser.

 

Zur Präsentation des Klosterbergegartens im Netzwerk „Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt“ gelangen Sie hier.

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