Hohepfortewall

… Anlage im „Neuen Stil“ bei der Kaserne Mark

Ursprünglich prallten hier „Epochen“ aufeinander: einerseits die Zeugnisse der Festungszeit Magdeburgs, andererseits eine von der Sachlichkeit des „Neuen Stils“ geprägte Grünanlage. Um 1863/64 war bei der Torpassage „Hohe Pforte“ im nördlichen Abschnitt des Magdeburger Festungsgürtels die nach der benachbarten Bastion benannte Kaserne Mark errichtet worden. Dass dieser Bau auch eine Verteidigungsfunktion besaß, verdeutlicht (trotz späterer Veränderungen) noch heute die wuchtig-abweisende Gebäudefront an der Parkseite. Als militärisches Objekt blieb die Kaserne auch nach der Einebnung der nördlichen Festungswälle in Nutzung. Welche Höhenunterschiede bei der Planierung des Stadterweiterungsgebietes Nordfront und für die Anlage der Straßen zu überwinden waren, wird noch heute durch die Böschungen an der Kaserne und die in den 1890er Jahren erbaute Stützmauer an der Gustav-Adolf-Straße nachvollziehbar.

Nach dem I. Weltkrieg erfolgte die Umwidmung des Kasernengebäudes zum Arbeitsamt. In diesem Zusammenhang wurden 1920/21 von Norden drei neue Zugänge geschaffen (Magistratsbaurat Wilhelm Berner/Architekt Paul Thürmer). Erhalten blieben davon bis in die Gegenwart die großzügige, mittlere Treppenanlage mit ehemaligem Abortgebäude und das westliche Rondell mit Treppe zur Gustav-Adolf-Straße. Das übrige Areal war als öffentliche Grünanlage gestaltet worden. Zu deren Planungs- und Baugeschichte scheint kaum etwas bekannt zu sein. Immerhin ist von dem damaligen Gartendirektor Linke selbst eine Äußerung überliefert, nach welcher der „Hohepfortewall“ im Jahr 1921 geschaffen worden sei. Wenige Zeichnungen dokumentieren den Zustand der Anlage etwa um 1930. Den östlichen Teil des Geländes nahm danach ein großräumiger Kinderspielplatz ein, welcher 1927 noch einen Trinkbrunnen erhalten sollte. Der westliche Teil dagegen war als Schmuckanlage in klarer Gliederung gestaltet. So fanden hier die Motive der Zeit des Deutschen Werkbundes bzw. des „Neuen Bauens“, welche die Architektur Magdeburgs in dieser Zeit wesentlich prägten, auch in der Freiraumgestaltung eine Entsprechung.

Wahrscheinlich ist die Gartenanlage um den II. Weltkrieg durch Einbau eines Löschwasserbehälters und spätere Ablagerung von Trümmerschutt in Mitleidenschaft gezogen worden. Mit der weitgehenden Zerstörung des Stadtteils Nordfront bzw. dessen jüngerer Entwicklung zum Universitätscampus ist offenkundig der Bedarf an einem umfangreichen Spielplatz geschwunden. Um 1995 erfolgten eine Instandsetzung der Anlage zumindest in Grundzügen und die Neugestaltung des zentralen Platzes vor dem Treppenabgang. Während die Kaserne Mark in den letzten zwei Jahrzehnten zum lebendigen Kulturzentrum entwickelt wurde, fristet der Hohepfortewall eher ein Schattendasein. Interessante Details stellen ein erhaltener Pfeiler des Krökentores und die Plastik „Das Tor“ von Wieland Schmiedel (1989) dar, die ursprünglich als Bestandteil der künstlerischen Ausgestaltung des Stadtteils Neu-Olvenstedt bestimmt war und 2007 hier ihren endgültigen Platz fand.

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