Herrenkrug

 … traditionsreicher Erholungsort am Rande der Stadt

 „Wenn ich nicht zu Hause bin, so bin ich im Herrenkruge“ – ein Bonmot (der Legende nach) des Magdeburger Oberbürgermeisters August Wilhelm Francke. Tatsächlich hatte sich das Stadtoberhaupt sehr für diese Anlage (neben dem „Volksgarten-Projekt“ Kloster Berge) eingesetzt: zum einen mit Rechtfertigungen diesbezüglicher städtischer Ausgaben gegenüber der kritischen Aufsicht übergeordneter Regierungsbehörden, zum anderen durch Mahnungen an die Bevölkerungen zur Schonung der Anlagen. Noch heute erinnert der 1845 von dem Buchdrucker Faber für den Herrenkrug gestiftete Bronze-Löwe an Francke, der hier „aus dem Schönen das Schönere schuf“. Und auch eine Inschrift an der Kugelsonnenuhr, welche dem Andenken an die Verdienste des Stadtbaumeisters Wolff sowie der Gärtner Minding und Erich gewidmet ist, verwies auf die angebliche Veranlassung zur Anlage des Parks durch den Oberbürgermeister.

Genau genommen ist aber ein Projekt des Stadtbaumeisters Harte, schon zwei Jahre vor dem Amtsantritt Francke’s verfasst, der Ausgangspunkt dieser Parkschöpfung. Der ausgedehnte städtische Landbesitz mit dem namensgebenden Wirtshaus sollte bereits kurz nach dem Ende der napoleonischen Besatzung als Ausflugsort attraktiver gestaltet werden. Deshalb (aber auch um die Einnahmen aus dieser Liegenschaft zu vermehren) schlug Harte im Jahr 1815 vor, Obstplantagen und Gemüsekulturen anzulegen. Außerdem sollte eine bereits bestehende Robinien-Plantage zur „englischen Anlage“ umgeschaffen werden. Seit dem kurz darauf erfolgten Beginn entsprechender Arbeiten wurden auch auswärtige Ratgeber hinzugezogen, so der Gärtner Reinhardt vom Gut Althaldensleben, der preußische Gartendirektor Lenné und der Gartenkondukteur Rudolph Schoch aus Dessau. Deshalb war der Herrenkrug in seinem Erscheinungsbild von unterschiedlichen Ideen, aber auch von manchen Anregungen oder Stiftungen aus der Bürgerschaft, geprägt worden. 1843/44 erfolgte schließlich der Neubau des Gesellschaftshauses in repräsentativen, klassizistischen Formen.

Gestalterische Verbesserungen wurden ab 1863 durch den Garteninspektor (später -direktor) Niemeyer veranlasst, welcher auch die Baumschule des Herrenkrugs zur wichtigsten der Stadt ausbaute. Sein Amtsnachfolger Schoch nahm eine Neuordnung dieser Baumschule vor, so dass auf dem frei werdenden Gelände eine Erweiterung des Parks nach Süden möglich wurde. Die Tradition als Anzuchtstätte von Gehölzen begründete die besondere Artenfülle in den Anlagen des Herrenkrugs. Schließlich arbeiteten die Gartendirektoren Schoch und Linke an der Verwirklichung einer Gesamtkonzeption, aus welcher unter Einbeziehung des Wiesengeländes, des Forstreviers „Biederitzer Busch“ und der Pferderennbahn eine ausgedehnte und vielgestaltige Erholungslandschaft hervorging. Der Gastronomiebetrieb des inzwischen baulich erweiterten Gesellschaftshauses gehörte im frühen 20. Jahrhundert zu den umsatzstärksten Parkrestaurationen Magdeburgs.

Nach dem II. Weltkrieg wurde nicht nur die militärische Nutzung der benachbarten Cracauer Anger fortgeführt, sondern auch auf das Areal der Herrenkrugwiesen ausgedehnt – eine schwierige Nachbarschaft für einen öffentlichen Erholungsort. Besonders schmerzlich war der Abbruch des Gesellschaftshauses in dieser Zeit. Ab 1989 wurden dann gartendenkmalpflegerische Arbeiten aufgenommen, in deren Ergebnis sich der Herrenkrug in weiten Teilen wieder im Charakter seiner Glanzzeit um die Jahrhundertwende zeigt. Besondere Blickfänge sind hier die ornamentalen Blumenpflanzungen auf dem Rondell, am Parkrestaurant und auf dem Jünglingsplatz. Nach dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte konnte auch das Wiesengelände wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

 

Zur Präsentation des Herrenkrugparks im Netzwerk „Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt“ gelangen Sie hier.

 zurück zur Übersicht