Geschwister-Scholl-Park

… der frühere Luisengarten auf der ehemaligen Bastion Braunschweig

Im Spätsommer 1895 hatte der Magdeburger Gartenbauverein anlässlich seines 50jährigen Bestehens eine große Jubiläums-Ausstellung auf dem Areal der Bastion Braunschweig veranstaltet. Die Bodenformen des noch nicht eingeebneten Festungswerkes boten Gelegenheiten für effektvolle Gestaltungen nach den Planungen des Garteningenieurs Lässig. Besondere Blickfänge waren u.a. ein künstlicher Wasserfall und die monumentale Freitreppe an der äußeren Grabenböschung. Schnell kam nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausstellung der Wunsch auf, die Anlagen dauerhaft als öffentlichen Garten zu erhalten. Dazu war der Bebauungsplan für den neuen Stadtteil Nordfront zu ändern: um ein wirtschaftlich vertretbares Verhältnis von öffentlichen Grünflächen zu kommerziell verwertbarem Bauland erzielen zu können, mussten etwa die Hälfte des ursprünglichen Ausstellungsgeländes und die nördliche Glacis-Promenade zur Bebauung bzw. für Straßen abgegeben werden. Das erhaltene Kerngelände erfuhr unter Gartendirektor Schoch gestalterische Weiterentwicklungen und erhielt 1897 schließlich den Namen Luisengarten (später: Königin-Luise-Garten) als Pendant zum Friedrich-Wilhelms-Garten (heute Klosterbergegarten).

Die (endgültige) Anlage sollte auf kleinstem Raum den Eindruck einer wildromantischen „Naturlandschaft“ vermitteln, den man sonst in der Magdeburger Börde vermisste. Mit Steinsetzungen an den Böschungen (teils unter Weiterverwendung der Materialien des Wasserfalls), einem hohen Anteil an verschiedenen Arten von Nadelgehölzen und den rustikalen „Kraxelstufen“ zum Aufstieg an der Bastion wurde eine „Gebirgsgegend“ imitiert. Im Festungsgraben entstand ein malerischer Weiher. Den Garten weitgehend umschließend waren Baustellen für Villen ausgewiesen worden. Damit hoffte man eine finanzkräftige Klientel für die beabsichtigte Gestaltungsqualität des neuen Stadtquartiers zu gewinnen. Außerdem sollte jene aufgelockerte Bebauung die Reduzierungen der nördlichen Glacis-Promenade etwas mildern. Die so um den Luisengarten entstandenen Villengärten waren zwar überwiegend von vergleichsweise geringer Größe, profitierten aber von der öffentlichen Anlage als optischer Erweiterung (teilweise wurden auch kleine Pforten für den direkten Zugang von den Privatgrundstücken aus gestattet). Schließlich ermöglichten die in architektonischer Formenvielfalt erbauten Villen auch malerische Sichten für die Besucher des Luisengartens.

Auch diese Magdeburger Anlage zogen Phasen der Vernachlässigung und vor allem der II. Weltkrieg in Mitleidenschaft, einige der benachbarten Villen wurden zerstört oder verändert. Als politisches Zugeständnis an den neu geschaffenen nahen Hochschulstandort etablierte man 1951 den Namen „Geschwister-Scholl-Park“. Nach 1990 konnten umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen eingeleitet werden, so wurde u.a. die inzwischen verlorene „Ausstellungs-Treppe“ rekonstruiert. Leider erhielt der Weiher eine „rein technische“ Fassung aus Beton und Aufpflasterungen, so dass er zur entstellenden Narbe im Antlitz dieses gartenkünstlerischen Kleinods geworden ist. Im Jahr 2009 fand das Denkmal der Königin Luise von Preußen (von Johannes Götz, 1901), welches schon Gartendirektor Schoch 1898 zum besonderen Schmuck der Anlage angeregt hatte und das später aber ideologischer Bilderstürmerei zum Opfer gefallen war, Dank besonderen bürgerschaftlichen Engagements seine Wiederaufstellung.

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