Fürstenwall

… die älteste Promenade der Stadt

Der Fürstenwall ist die älteste öffentliche Promenade Magdeburgs und kann zu den frühesten derartigen Einrichtungen Deutschlands gerechnet werden. Die Anlage hat ihren Ursprung in einer militärischen Baumaßnahme: um 1722 ließ der Gouverneur der Festung Magdeburg, Fürst Leopold von Anhalt-Dessau, den Zwinger zwischen den elbseitigen Mauern verfüllen bzw. durch den Einbau unterirdischer Räume kasemattieren und diese Befestigung insgesamt ausbauen. Auf dem so entstandenen Wall pflanzte man eine Allee von „Linden und wilden Castanien“, wie spätere Chronisten berichten. Einige der zugehörigen Stadtmauertürme wurden abgebrochen und auf ihren Stümpfen sollen kleine Pavillons erbaut worden sein. Ohne die Verteidigungsfähigkeit der Elbfront aufzugeben, erhielt die Einwohnerschaft damit einen über 450 m langen Spaziergang mit weiter Aussicht – vielleicht auch, um die sonst mit dem damaligen Festungsausbau einhergehenden Beschränkungen für die Zivilbevölkerung etwas erträglicher zu machen …

Um 1807 wurde die Unterhaltung dieser Promenade der Kommune übertragen, damals wies der Baumbestand große Lücken auf. Für die Jahre ab 1809 sind umfangreiche Ersatzpflanzungen dokumentiert, wobei man vorrangig die den trockenen Bedingungen auf dem Wall besser angepasste Robinie verwendete. Eine besondere Gestaltung entstand ab 1823 im südlichen Abschnitt, wo das Festungswerk „Rondel Bevern“ aus der elbseitigen Mauerflucht hervorragte. Dessen höhengestaffelte Wälle („Terrassen“) bepflanzte man mit Rosen, Lebensbaum, Rot-Zeder, Lorbeer (!) und verschiedenen Blütenstauden. Solche Zierpflanzungen blieben damals noch den im Entstehen begriffenen Parks außerhalb der Stadt vorbehalten, so dass diese Gestaltung als die erste innerstädtische Schmuckpflanzung in Magdeburg gelten kann. Unterhalb des Fürstenwalls wurde um 1840 die Strecke der Magdeburg-Köthen-Halle-Leipziger Eisenbahn an die Stadt herangeführt (Leipziger Bahnhof), eine der frühesten Bahnstrecken Deutschlands. Damals bedauerte man, dass die unter französischer Besatzung (1806-14) aufgesetzten Brüstungsmauern an der Elbseite den Blick auf den Eisenbahnverkehr verhinderten, weshalb ein erhöhtes Aussichtsbankett aufgeschüttet werden sollte. Mit zunehmendem Platzbedarf der Bahnanlagen wurde der Fürstenwall in Frage gestellt, doch die Stadtväter verteidigten immer wieder den Fortbestand dieser Promenade gegenüber anderen Interessen. Allerdings fiel einer späteren Begradigung das „Rondel Bevern“ zum Opfer.

Die gärtnerische Glanzzeit des Fürstenwalls nahm in den 1880er Jahren ihren Anfang. Mit dem Straßendurchbruch Gouvernementsberg entstand in der Mitte der Promenade eine repräsentative Brücke und auch der nördliche Aufgang am Bahnhofsgebäude mit dem Restaurant „Belvedere“ wurde ausgebaut. Vor allem aber ersetzte man die Brüstungsmauer zum Fluss hin durch kunstvoll gestaltete Gitter und stellte zahlreiche Bänke auf. Bei der Ausgestaltung der Promenade legte der Gartendirektor Niemeyer besonderen Wert auf üppigen Blumenschmuck. Saisonale Wechselbepflanzungen, dekorative Blattpflanzen und Stauden belebten die Rasenbankette vor allem des nördlichen Abschnitts und ließen die Anlage als opulent ausgestalteten „Balkon“ über der Strom-Elbe erscheinen. Dank der Spende eines Anwohners konnten um 1910 auch im südlichen Teil Staudenrabatten angelegt werden.

Nachfolgende Jahrzehnte gestalteten sich für den Fürstenwall jedoch weniger glanzvoll. In den Jahren 1936 bis 1938 wurde der Wehrturm „Bevern“ zum „Ehrenmal der Alten Garde“ umgebaut, dem angeschlossenen Begräbnisplatz mit Feierhalle fielen die letzten Reste der „Terrassen“ weitgehend zum Opfer. Zerstörungen während des II. Weltkriegs und unzureichende Instandsetzungen nachfolgender Jahre hatten den Fürstenwall schwer gezeichnet. Schließlich wurde der baulich instabil gewordene nördliche Abschnitt im Zeitraum 1967-75 vollständig abgebrochen. Im südlichen Teil setzte man an Stelle der früheren Gitter wieder eine Brüstungsmauer auf und wandelte den Begräbnisplatz zum kleinen Skulpturengarten um.

Nach der jüngsten Sanierung der Befestigungsmauern wurde eine vollständige Neugestaltung ausgeführt (1999). Mit der Restaurierung des Treppenpodests am ehemaligen Oberpräsidium, dem Ersatz der Brüstungsmauer durch ein Gitter (zumindest in einem Teilabschnitt) und einer Rosenpflanzung an der Stelle der „Terrassen“ wurden Bezüge auf frühere Entwicklungsperioden der Promenade integriert. Die neue Lindenallee war hingegen als Annäherung an den (vermuteten) barocken Zustand gedacht. Doch auch andere Geschichtlichkeiten sind heute auf dem Fürstenwall präsent. So wird der durch den Umbau der 1930er Jahre geprägte Turm „Bevern“ in Rückgriff auf seine mittelalterliche Bezeichnung als Turm „Kiek in de Köken“ präsentiert. An die Mystikerin Mechthild von Magdeburg erinnert die Skulptur von Susan Turcot (2010) und auch die volkstümlich als Abbild der ottonischen Königin Editha interpretierte Plastik „Sitzende mit Kugel“ von Hans Grimm (um 1937?) fand hier Aufstellung – womit dem (neu-) mittelalterlichen Image der Ottostadt Magdeburg auch an diesem Ort Genüge getan ist.

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