Bastion Preußen

… Gartenanlage am ehemaligen Künstlerhaus „Lukasklause“

Eigentlich war der Name der Gartenanlage „Bastion Preußen“ in wehrtechnischer Hinsicht nicht ganz korrekt, da sie sich auf das Areal der Werke Rondell und Lünette Preußen, nicht aber auf die Bastion selbst erstreckte. Wahrscheinlich führte man diese Bezeichnung ein, um den Charakter dieser Gartenanlage im Norden der Altstadt als Pendant zur südlich gelegenen Bastion Cleve zu verdeutlichen. Wie dort boten die unmittelbar an den Fluss angrenzenden Festungswerke eine weite Sicht über die Elblandschaft. Schon um 1894 hatte der Gartendirektor Schoch erste Ideen für die Entwicklung dieser Situation im Zusammenhang mit dem Stadterweiterungsvorhaben Nordfront entwickelt. Vor allem sollte der Turm Preußen als prägnantes Wahrzeichen in eine Neugestaltung integriert werden. Mit Rücksicht auf das Bauvorhaben der Königsbrücke in unmittelbarer Nachbarschaft nahm man konkretere Freiraumplanungen erst einige Jahre später auf.

Aus dem Jahr 1902 stammt der „Entwurf zu Gartenanlagen bei Bastion Preußen“. Darin bildete wie schon bei der wenige Jahre zuvor umgestalteten Bastion Braunschweig (heute Geschwister-Scholl-Park) die Umformung der ursprünglichen Verteidigungsanlage zu einer effektvollen Miniaturlandschaft das bestimmende Motiv. Auf dem Rondell als höchstem Punkt entstand ein von Bäumen beschatteter Aussichtsplatz. Dem inzwischen zum Künstlerhaus „Lukasklause“ erweiterten Turm wurde eine kleine Gartenterrasse mit Pergola angefügt. Geschwungene Spazierwege erschlossen den früheren Festungsgraben und durch geschickte Bodenmodellierung bildete man eine schluchtartige Partie mit Bachlauf sowie ein Wiesental mit kleinem Weiher aus. Zwei rustikale Brücken, ein weiterer Aussichtsplatz mit Rundbank und schließlich die artenreiche Bepflanzung vervollständigten das romantische Ensemble. Die Arbeiten konnten offenbar im Jahr 1903 vollendet werden, in dem auch die Königsbrücke eröffnet wurde. Dieses Bauwerk mit den repräsentativen Portalen im „Burgen-Stil“ bildete den wichtigsten Bezugspunkt für die Sichten von der Gartenanlage aus. Zur dauerhaften Erhaltung jener visuellen Verknüpfungen wurde sogar durch eine Änderung des Bebauungsplans die Rückverlegung der künftigen Baugrenzen am Brückenkopf festgesetzt.

Als Folge der Zerstörungen während des II. Weltkrieges ging nicht nur dieser städtebauliche Kontext verloren, durch die Verfüllung mit Trümmerschutt wurde auch die Gartenanlage grundlegend verändert. Ab 1970 fanden frühere Ansätze zur Ausgestaltung der flussseitigen Stadtkante eine Wiederaufnahme in Form der „Promenade der Völkerfreundschaft“ (heute Elbuferpromenade). Die Umgebung der „Lukasklause“ bildete deren nördlichen Abschluss. Dabei nahm das nun als „Lukashügel“ bezeichnete Rondell wiederum eine zentrale Stellung in der gestalterischen Konzeption ein. Den früheren Aussichtsplatz baute man terrassenartig aus und ergänzte ihn um ein Denkmalensemble: eine skulptural gestaltete Stele sowie ein Spolienstein erinnern an den Atombombenabwurf auf Hiroshima und Nagasaki (1945). Wie die Partnerstadt Nagasaki steht Magdeburg heute exemplarisch für die katastrophalen Auswirkungen des II. Weltkrieges. In den 1990er Jahren tangierten bedeutende Projekte des Verkehrswegebaues das Umfeld der Gartenanlage an der Lukasklause: die Erneuerung des Nordbrückenzuges (Jerusalembrücke) und die Untertunnelung des Askanischen Platzes. Zwar konnte die Fläche der Grünanlage gegenüber dem historischen Zustand erweitert werden, doch war damit keine Wiederbelebung der früher hier verfolgten gestalterischen Individualität verbunden. Zur Bundesgartenschau 1999 entstand eine Radwegeverbindung über das Areal der Gartenanlage hinweg zur Uferpromenade.

 zurück zur Übersicht