Amtsgarten Klein-Ottersleben

 … Park des Zuckerfabrikanten Böckelmann

 

Der Amtsgarten oder auch Böckelmann’scher Park mit der prächtigen Villa nimmt unter den historischen Parks und Gärten der Stadt als großbürgerliche Privatanlage eine Sonderstellung ein. Doch scheint kaum etwas über seine Geschichte bekannt zu sein, wodurch auch die fundierte Beurteilung seiner gartenkünstlerischen Eigenart erschwert wird. Als sich vor etwa 20 Jahren das Magdeburger Grünflächenamt mit diesem Gartendenkmal befasste, konnte man auf Überlieferungen eines Nachfahren der ehemaligen Besitzer zurückgreifen. Danach sei der Amtsgarten im Jahr 1874 von dem Landwirt und Fabrikbesitzer Wilhelm August Böckelmann gemeinsam mit seinem Schwager Hermann Bertog angelegt worden. Am Rand des vom eigentlichen Böckelmann’schen Gutshof (dem Amt) entfernten Parks wurde 1892 die heutige Villa erbaut, welche sich eher den Anschein eines Herrenhauses gibt.

In der Magdeburger Geschichte sind Mitglieder der Familien Böckelmann und Bertog als Garten-Interessierte nachweisbar, Bertog sen. engagierte sich vor allem für die Förderung des Obstbaues. Ist der Amtsgarten also das Werk zweier Garten-Enthusiasten, die eine dafür recht professionell erscheinende Anlage gestalteten? Folgt man den Spuren ihres gesellschaftlichen Engagements sowie beruflichen und privaten Verbindungen, so standen beide anscheinend mit verschiedenen Besitzern anderer größerer Gartenanlagen in und um Magdeburg in Kontakt. Boten also Gärten in der Nachbarschaft Orientierung, lieh man sich vielleicht auch Gärtner oder sogar einen der zu dieser Zeit hier tätigen Gartengestalter aus? Vor einigen Jahren brachte schließlich die Forschung einen Entwurf des herzoglich anhaltinischen Gartendirektors der Landesbaumschule Köthen, August Hooff, aus dem Jahr 1893 für den Park in Klein-Ottersleben zu Tage. Dessen Zustandekommen gibt heutiger Deutung aber noch verschiedene Rätsel auf. Der Entwurf lässt sich in wesentlichen Punkten auch nicht mit der bestehenden Situation in Übereinstimmung bringen (wurde demnach nicht ausgeführt?), zeugt aber dennoch von einer detaillierten Ortskenntnis.

Offensichtlich gibt es noch viele unbearbeitete Fragen bzw. daraus herrührende Ungenauigkeiten in der Ansprache des Gartendenkmals. Immerhin ist der Amtsgarten nicht dem Vergessen anheimgefallen. Während der letzten beiden Jahrzehnte widmeten sich häufig Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen unterschiedlichen Arbeiten, es mangelte aber hauptsächlich an regelmäßiger und ausreichend sachkundiger Pflege. Inzwischen scheint nach einigen Turbulenzen die Nutzung der Villa wieder gesichert, so dass auch eine Stabilisierung in den Erhaltungsbestrebungen für den Amtsgarten erhofft werden kann.

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