Agnetenplatz

… grüner Empfang am Neustädter Bahnhof

Der Agnetenplatz ist von allem etwas: Bahnhofsvorplatz und Mini-Landschaftspark, natürlich auch Geschichtsort und (immer noch) „Terra incognita“ … Seine Fläche grenzt an das Areal der Neustadt, welche 1812/13 zur Verbesserung der Verteidigungsfähigkeit der Festung Magdeburg auf Anordnung Napoleon’s fast völlig abgebrochen worden war. In einiger Entfernung entstand damals als Ersatz die Neue Neustadt. Im Zuge der seit den 1880er Jahren vorbereiteten nördlichen Stadterweiterung sollte das Areal der Alten Neustadt wieder bebaut werden. Bereits zu dieser Zeit war das Gelände eines der dortigen früheren Steinbrüche als öffentliche Grünanlage auf halbem Wege zwischen der Magdeburger Altstadt und der Neuen Neustadt vorgesehen. Außerdem wurde hier die neue Eisenbahnstrecke vom Hauptbahnhof in Richtung Potsdam entlanggeführt, so dass der Platz mit der Einordnung des Neustädter Bahnhofs einen weiteren Bedeutungszuwachs erfuhr. Benannt wurden er und die angrenzende Straße damals in Erinnerung an das frühere Kloster St. Agneten der Neustadt.

Schon 1889 hatte der damalige Gartendirektor Niemeyer einen Entwurf für die Platzgestaltung erarbeitet. Da man sich aber dann entschloss, die Bahnstrecke auf einem Damm zu führen, wurde bis zu dessen Realisierung das gärtnerische Projekt zurückgestellt. Die um 1899 von Gartendirektor Schoch wiederaufgenommenen Planungen widmeten sich dann auch im Besonderen der Ausformung des Bahndamms, welcher die Platzfläche an einer Seite begrenzte. Um dessen gerade Linie lebendiger zu gestalten, sah Schoch abwechslungsreiche Bodenmodellierungen, aber auch künstliche „Fels-Aufragungen“ vor. Die Abpflanzungen sollten zum Platz hin „nach der Art eines Waldrandes“ locker aufgelöst werden. Überlieferte Unterlagen deuten auf eine damals in reicher Artenvielfalt beabsichtigte Gehölzauswahl hin, darunter etliche Baumarten mit auffallenden Blattformen sowie Blütensträucher. Im Laufe des Jahres 1901 wurde die Anlage ausgeführt. Da den Architekten der Bauverwaltung die Gartenanlage nicht imposant genug erschien, fügte man dem Bahndamm noch eine doppelläufige Treppe mit einem Wandbrunnen an. Hatte diese Treppenanlage auch eigentlich keinen praktischen Zweck, so war sie doch neben den wappengeschmückten Obelisken der Eisenbahnbrücke ein besonderer Blickfang an dieser Nahtstelle zwischen dem Magdeburger „Stamm-Territorium“ und der früher eigenständigen Neuen Neustadt. Anlässlich der Hundertjahrfeier der Neuen Neustadt sowie zur Erinnerung an die einhundertjährige Wiederkehr der Befreiung Magdeburgs von französischer Besatzung wurde im Mai 1914 ein Gedenkstein in den Anlagen des Agnetenplatzes aufgestellt.

Während der zurückliegenden Jahrzehnte hat die Anlage einige Veränderungen und Beeinträchtigungen erfahren, so u.a. den Verlust der Treppenanlage. Ab 2008 erfolgte eine umfassende Instandsetzung, nach welcher sich die Gartenanlage zwar insgesamt stark „ausgedünnt“ zeigt, bei der aber die bis dahin erhaltenen historischen Relikte nach Möglichkeit gewahrt blieben. Die im Laufe der Zeit mehrfach (und wohl mit wenig gestalterischem Anspruch) umgelagerten Bruchsteine der früheren „Felsenpartien“ wurden zu einer neuen Stützmauer um einen Sitzplatz zusammengefaßt. Dennoch hatte die individuelle Anlagengeschichte wohl wenig Beachtung gefunden: nach Fertigstellung des „Vorplatzes am Neustädter Bahnhof“ wurde 2011 zur Sammlung von Vorschlägen für eine Benennung des vermeintlich namenslosen Platzes aufgerufen. Erst nachdem ein rühriger Ortschronist mit Hilfe eines historischen Heimatkundebuches den Beweis „schwarz auf weiß“ erbracht hatte, konnte der angestammte Name des Agnetenplatzes offiziell wieder eingesetzt werden.

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