Heimlicher Exot: der Zürgelbaum

Oft übersehen und daher ein nicht selten „unbemerkter Exot“ in Parks und Gärten ist der Westliche oder Nordamerikanische Zürgelbaum (Celtis occidentalis). Im 17. Jahrhundert kam er als Rarität nach Europa, zuerst nach Frankreich und England, gegen Ende des 18. Jahrhunderts war er dann auch in deutschen Schloßparks anzutreffen (so in Kassel, Potsdam-Sanssouci und Wörlitz).Als mittelgroßer Baum mit lockerer Krone wurde er später häufiger den Baumgruppen der Landschaftsparks beigemischt. In dieser Weise kam er auch in den städtischen Parks Magdeburgs zur Verwendung, so bereits nach der Lenné’schen Planung für den Klosterbergegarten (1824). Im sog. Fürstenwallpark (Gartenanlage auf der Bastion Cleve) findet man das wohl größte Exemplar der Stadt, schon um 1900 hatte Gartendirektor Schoch auf diese Anlage als Standort des Zürgelbaums besonders hingewiesen. Vereinzelt ist die Baumart außerdem im Stadtpark Rotehorn vorhanden, wo sie ihre „Hochwasserfestigkeit“ bewiesen hat. Sie ist im Allgemeinen gut stadtklimaverträglich und wäre damit auch im Hinblick auf die Folgen des Klimawandels für unser Baumsortiment beachtenswert. Dennoch wird sie in Magdeburg heute nicht verwendet, auch scheint es nie Ersatzpflanzungen dieser Art in den historischen Anlagen während der letzten Jahrzehnte gegeben zu haben (weil man den Zürgelbaum nicht kennt?).

Der deutsche Name des Zürgelbaums wird auf eine andere Art der Gattung zurückgeführt, den Südlichen oder Europäischen Zürgelbaum (Celtis australis). Die Früchte dieser Art, welche zu kleinen bräunlich-roten Steinfrüchten reifen, werden in Südtirol u.a. als Backzutat verwendet und „Zürgeln“ genannt. Im Unterschied zum Westlichen Zürgelbaum mit rauer Borke ähnelt die glatte Rinde des Südlichen Zürgelbaums jener von Buchen. Obwohl letztere Art als frostempfindlich gilt und deshalb in unserem Gebiet anscheinend nur sehr selten anzutreffen ist, gab es im Herrenkrugpark ein bemerkenswert stattliches Exemplar von Celtis australis (es wurde jedoch in jüngster Zeit gefällt). Es bleibt zu hoffen, dass diese Gattung nicht endgültig aus unseren Parkanlagen verschwindet, sondern auch bei künftigen Neupflanzungen wieder Berücksichtigung findet.

Der Südliche Zürgelbaum fällt durch seine glatte Rinde auf (Foto: mk).

Der Südliche Zürgelbaum fällt durch seine glatte Rinde auf (Foto: mk).

Die grazilen Jahrestriebe des Westlichen Zürgelbaums sind dem Habitus junger Ulmen sehr ähnlich (Foto: mk).

Die auffallenden Jahrestriebe des Westlichen Zürgelbaums erinnern an die Wuchsform heimischer Ulmen (Foto: mk).