50 Jahre IG Denkmalpflege Magdeburg

2014_Wasserturm Salbke

Am 13. Juni 2014 fand im historischen Pumpenhaus am Wasserturm in Magdeburg-Salbke eine Festveranstaltung anläßlich des 50jährigen Jubiläums der Interessen-gemeinschaft Denkmalpflege Magdeburg statt. Im Mai 1964 als Arbeitsgruppe Denkmalpflege im Deutschen Kulturbund gegründet, wandelte sie sich später zur IG Denkmalpflege und gehört seit 1990 dem Kultur- und Heimatverein Magdeburg e.V. an. Ihre Tätigkeit beschränkte sich nicht nur auf die Organisation von Vorträgen und Exkursionen, sondern bis in die 1980er Jahre hinein trug die Gruppe auch in praktischer Weise zur Sicherung und Pflege der Magdeburger Baudenkmale bei. So erfolgten Schuttbereinigungen im Zuge der Instandsetzungen bzw. Umbaumaßnahmen an der Marienkirche des Klosters Unser Lieben Frauen und der Magdalenenkapelle oder Mauerwerkssanierungen am Festungswerk Rondell Preußen. Ehrenamtliches Engagement ist dabei immer auf fachliche Kompetenz begründet gewesen: führende Mitglieder in jener Periode waren auch beruflich in der Denkmalpflege oder im Baugewerbe tätig.

Obwohl denkmalpflegerische Aspekte mit der Wiedervereinigung und der damals rasant zunehmenden Bautätigkeit an Bedeutung gewannen, war die weitere Entwicklung der Interessengemeinschaft keineswegs ein „Selbstläufer“. In dramatischer Weise verringerte sich die Zahl der Mitglieder zwischen 1990 und 1997 von 332 auf 35. Ursachen waren vor allem die individuellen beruflichen Umstände, welche in dieser Zeit nicht selten zum Weggang aus Magdeburg zwangen oder die verfügbare Freizeit erheblich begrenzten. An diesen Rahmenbedingungen hat sich bis in die Gegenwart kaum etwas geändert. Altersbedingt sank die Mitgliederzahl inzwischen auf 14, Neuzugänge aus jüngeren Generationen lassen sich kaum gewinnen. So mußte auch das Aktionsprofil angepaßt werden. Eigene Exkursionen können nicht mehr angeboten werden, doch mildern Partnerschaften mit beispielsweise dem Landesheimatbund Sachsen-Anhalt oder den örtlichen Festungsvereinen diese Beschränkung. Dank des unermüdlichen Einsatzes von Herrn Dr. Karl-Heinz Reps, welcher seit 1977 die IG Denkmalpflege leitet, findet in jedem Jahr eine Reihe von öffentlichen Vortragsveranstaltungen statt. Dazu werden Vertreter von Fachbehörden, Forscher und Praktiker der Denkmalpflege eingeladen. In dieser Beziehung hat sich die Interessengemeinschaft als Plattform der Bürgerinformation zu aktuellen Belangen der Denkmalpflege gefestigt und realisiert eine Öffentlichkeitsarbeit, die zu leisten die zuständigen Fachbehörden in der Landeshauptstadt Magdeburg bzw. in Sachsen-Anhalt offenkundig allein nicht mehr in der Lage sind.

Diese Erfahrungen und Umstände färbten natürlich die Redebeiträge zur Festveranstaltung in Salbke, so beim Rückblick des Vorsitzenden oder bei den Schilderungen zur Denkmalpflege in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg durch den ehemaligen Landeskonservator. Auch der Beigeordnete für Kultur, Schule und Sport, welcher durch seine persönliche Teilnahme in anerkennenswerter Weise seine Wertschätzung für die (inzwischen) kleine Gruppierung bewies, würdigte in seinem Grußwort in erster Linie die Tätigkeit der Interessengemeinschaft während der Jahre vor der Jahrtausendwende. Traurig, dass er in Bezug auf die gegenwärtige Situation der Denkmalpflege in Magdeburg lediglich auf eine zeitgleich von der Otto-von-Guericke-Universität in der Elbestadt veranstaltete internationale Fachtagung „Winchester und Magdeburg. Zwei Kulturlandschaften des 10. Jahrhunderts im Vergleich“ verwies (…Hauptsache Historie…?). Der frühere Leiter des Stadtplanungsamtes sprach über das obgleich kurze, so doch im wahrsten Sinne des Wortes farbige Wirken von Bruno Taut in Magdeburg – und verdeutlichte am Beispiel der eigenen Person, wie Begeisterung und Neugier (auch gegenüber Vergangenem) zu wesentlichen Ausgangspunkten einer wachen und kritischen Beobachtung der aktuellen Entwicklung unserer Stadt werden. Gänzlich in die Gegenwart brachten das Publikum schließlich die Schilderungen zur Sanierungsgeschichte des Salbker Wasserturms durch das Architekturbüro Kossel und der Aufstieg auf den Turm mit seinen spektakulären Ausblicken über den Magdeburger Elbraum. So hat die Jubiläumsfeier die Anwesenden sicherlich in ihrer Anteilnahme an denkmalpflegerischen Fragen in Magdeburg auch für die Zukunft bestärkt und es ist zu hoffen, dass die Interessengemeinschaft Denkmalpflege als wichtiger Akteur der Landeshauptstadt auch weiterhin erhalten bleibt.