Frühes bürgerliches Engagement für das Stadtgrün

– am Beispiel der historischen Parkanlagen in Magdeburg / Bericht einer Exkursion im Rahmen des 23. Landschaftstags der Landeshauptstadt Magdeburg in den Stadtpark Rotehorn

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Michael Keller (Bildmitte mit grüner Mappe) bei der Führung durch den Rotehorn-Park Foto: Joris Spindler

Die Schaffung öffentlicher Parks und Gartenanlagen sowie deren Erhaltung und Pflege sind traditionell mit dem grundsätzlichen Anliegen verknüpft, etwas zum Nutzen der Allgemeinheit zu leisten. Neben der Aufwendung kommunaler Mittel hatten private Initiativen und Spenden in unterschiedlicher Form daran Anteil. So sind in Magdeburg als Anfänge des öffentlichen Grüns nach dem Ende der napoleonischen Besatzungszeit die Erschließung des Vogelgesangs als Erholungsanlage (ab 1815) und der Spendenfonds für die Ausgestaltung der älteren Glacis-Promenade (1820) auf bürgerschaftlichem Engagement begründet. Private Beteiligungen erfuhr außerdem auch der Herrenkrugpark. Noch heute besonders populär ist die Proklamation des in den Jahren 1824 bis 1835 entstandenen Volksgartens (Friedrich-Wilhelm-Garten, heute Klosterbergegarten) als Zeugnis gemeinwohlorientierten Handelns der Magdeburger Bürgerschaft durch seinen Gestalter, den königlich preußischen Gartendirektor Peter Joseph Lenné.

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Michael Keller (links) im historischen Pavillon auf der Marieninsel im Adolf-Mittag-See

Entwicklungen und Erkenntnisgewinne auf dem Gebiet der Medizin bewirkten eine Intensivierung und Spezifizierung der Bestrebungen für das öffentliche Grün. So prägten stadthygienische (und damit sozial orientierte) Beweggründe die Planungen zu den Stadterweiterungen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die damit verbundenen Freiraumgestaltungen in grundlegender Weise. Das Erreichte, aber auch künftige Vorhaben fanden u.a. im Rahmen der 19. Versammlung des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege, welche 1894 in Magdeburg abgehalten wurde, auch nationale Beachtung. Zu dieser Zeit war der Ausbau des Stadtparks Rotehorn in vollem Gange, welcher mit einer Fläche von etwa 160 Hektar und einer Bauzeit von annähernd fünf Jahrzehnten das bedeutendste Grünprojekt der Magdeburger Stadtgeschichte repräsentiert. Neben ihrer Bestimmung als öffentlicher Erholungsraum kommt dieser Parkanlage heute auch in Bezug auf die stadtklimatischen Verhältnisse in der Elbestadt eine herausragende Stellung zu.

Im Rahmen der Exkursion anlässlich des 23. Landschaftstages wurden Spuren privater Unterstützungen bei der Herstellung des Stadtparks Rotehorn vorgestellt. Die konkreten Umstände wurden näher erläutert und an Hand dieser historischen Beispiele tatsächliche Wirkungsmöglichkeiten und notwendige Rahmenbedingungen für bürgerschaftliche Beteiligungen an der nachhaltigen Entwicklung und Sicherung des städtischen Grüns aufgezeigt.