Der Amazonas an der Elbe

Kamingespräch bei Vitopia über die Erdölförderung im Amazonasgebiet

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Maria Faber (Diözesanreferentin) überreicht Friederike Peters einen fairen Nikolaus der Bischöflichen Aktion Adveniat.

Besuch direkt aus dem Amazonasgebiet war am Freitag im Café Verde im Herrenkrug. Auf Einladung von Maria Faber (Diözesanreferentin im Bistum Magdeburg) und Joris Spindler (Botschafter der Erd-Charta Initiative) war Friederike Peters zu Gast. Sie arbeitet, seit über 20 Jahren als Gemeindereferentin und Entwicklungssoziologin im Gebiet des Rio Napo im Nordosten von Ecuador mit der indigenen Bevölkerung und berichtet wie sich Öldurst und Gewinnstreben auf die Region auswirken.

Der Napo ist ein Zufluss des Amazonas und hat schon auf dem Gebiet von Ecuador eine Breite von 2 km. Auch sonst hat der Fluss beeindruckende Dimensionen, der Amazonas ist der Fluss mit dem größten Wassereinzugsgebiet weltweit. Der Regenwald im Amazonasbecken produziert ein Viertel des gesamten Sauerstoffs weltweit.

Das Erdöl bestimmt das Leben der „Naporuna“ – der „Menschen vom Napo“, wie sie sich selbst nennen. Hier lagern die größten nationalen und oberflächennahen Erdölvorkommen. Der Staat vergibt immer wieder neue Förderlizenzen an internationale Erdölfirmen, die das dort gewonnene Öl weiter nach Nordamerika transportieren.

Erölraffinerie mitten im Regenwald am Rio Napo, einem Zufluss des Amazonas.

Die indigenen Gemeinschaften kämpfen um ein Mitspracherecht und um Entschädigungen – denn das Land, auf dem sie leben, gehört ihnen. Die Ressourcen im Boden hingegen gehören dem Staat. Um Mitspracherechte zu umgehen verlangt jetzt die Regierung einen Nachweis von der indigenen Bevölkerung, dass sie Indigene seien. Ohne diesen, nicht zu erbringenden Nachweis, sind sie recht- und landlos. Es fehlt aber mit dem Verlust des Lebensraumes eine dauerhafte Perspektive für die Menschen. Oft seien die verabredeten Entschädigungspreise pro Hektar lächerlich niedrig gewesen, erzählt Friederike Peters. In vielen Fällen hätten die Firmen den Indigenen juristisch ausgefeilte Verträge vorgelegt, deren Tragweite und Fallstricke keiner so recht abzusehen vermochte. Die Einwohner werden zunehmend abhängig von der Erdölindustrie, sinkt der Weltmarktpreis für Erdölkündigen die Ölfirmen und deren Subunternehmer viele Jobs, oftmals bleiben sie den Arbeitern Löhne und den Gemeinden vereinbarte Gelder schuldig.

Das Erdöl ist relativ fest und damit schwer abbaubar. In den letzten Jahren wurden neue Fördertechniken entwickelt, mit denen das Öl gewonnen werden kann. Das  zähflüssige Erdöl wird mit Hilfe des 80 Grad heißen und salzigen Thermalwasser an die Oberfläche befördert, welches in einer Blase unterhalb des Erdölfeldes liegt.

Die Erdölförderanlagen sowie die Raffinerien zur Weiterverarbeitung entstehen an einem sehr sensiblen Ort. Mögliche Ölunfälle haben katastrophale Folgen, die Verschmutzung des Rio Napo mit dem salzhaltigen Thermalwasser hätte für das dortige Süßwasserökosystem weitreichende Folgen.

Die Erd-Charta nimmt in den Blick, dass für die Bewahrung der Umwelt auch soziale sowie wirtschaftliche Gerechtigkeit gewahrt werden muss, die Gemeinschaft des Lebens muss respektiert werden und Frieden und Demokratie sichergestellt werden. Friederike Peters arbeitet direkt mit den indigenen Gemeinschaften dort und leistet die notwendige Öffentlichkeitsarbeit und Rechtsberatung. Diese Hilfe vor Ort wird mit Unterstützung von Adveniat gewährleistet.